Marta wartet…

Marta wartet. Sie ist sehr geduldig. Sie sagt, wenn sie auf der Waldorfschule ist, dann spielt sie im Orchester. Darauf freut sie sich riesig.

Martas Mutter lernt auf dem Spielplatz eine andere Mutter kennen, die ihre Kinder bereits auf der Waldorfschule hat. Alles hört sich so gut an. Weg von diesem Leistungsdruck, der jetzt schon auf zu kleinen Schultern lastet. Sie verspricht sich für Marta einzusetzen. Und dann, Anfang Januar, passiert es. Martas Eltern bekommen einen Anruf, es wird ein Platz frei. Marta ist überglücklich. Nur der Lockdown spielt ihr grad nicht in die Karten. Kein Präsenzunterricht, keine persönlichen Kennenlernen mit den Lehrern und der Schulleitung. Marta soll sich noch etwas gedulden. Marta hat viel Geduld. Und malt sich die Schule in den schönsten Farben aus. Manchmal fährt sie mit ihrer Mutter nachmittags durchs Viertel und sie halten immer am Schulgebäude an. Marta freut sich wie eine kleine Schneekönigin. Auch wenn sie ihre Freundinnen dann verlassen muss.

Es wird April. Im Unterricht berichtet eine Freundin von Marta, dass sie ebenfalls die Schule wechseln wird. Auf Nachfrage wohin, antwortet sie: Auf die Waldorfschule. Marta sagt überglücklich: Ich auch!

Was Martas Eltern nicht wussten ist, dass es hier um Martas Platz ging. Den eine andere bekommen hat. Für Marta bricht eine Welt zusammen. Sie ist raus.

Jetzt steckt sie richtig drin im Strudel der Entscheidungen. Marta möchte bei ihren Freundinnen bleiben. Auf keinen Fall die Klasse wiederholen. Immer alle sehen, aber nicht beieinander sein. Und während Corona trennen sie auch die Schulhofbereiche. Marta fühlt sich wie jemand der scheitert. Kurz vor den Sommerferien fassen Martas Eltern einen Entschluss. Sie stellen den Antrag, sie lassen Marta wiederholen, und auf eine andere Grundschule wechseln.

Ob das richtig war?

Sie wissen es nicht. Marta nimmt alles so hin. Am ersten Schultag in der neuen Schule gehen sie zu Fuß. Es ist eine schöne Strecke. Einfach nur 800 Meter in die andere Richtung als vorher. Durch den Park. Ihre Lehrerin ist nett. Marta geht mit. Marta macht immer alles mit. Sie winkt noch einmal und lächelt. Martas Mutter hätte lieber kurz geweint. Sie hatte sich für Marta etwas anderes gewünscht.

Drei Wochen später der nächste Anruf: Jetzt wäre wieder ein Platz in der Waldorfschule frei. Martas Mutter fragt sich, was das Schicksal ihr eigentlich sagen will? Den Platz in der dritten Klasse darf Marta rein rechtlich jetzt nicht mehr annehmen. Sie ist ja jetzt wieder in der zweiten!

Außerdem hat Martas Mutter grade noch ganz andere Sorgen. Sie hat ja auch noch Neo. Und der hat auch grade die Schule gewechselt….

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