Das Tiny House in unseren Köpfen

Wolltet hr nicht grade ein Grundstück am Fluss kaufen?

Wolltet ihr nicht umziehen, vielleicht was eigenes kaufen?

Wolltet ihr nicht auch schon mal nach New York auswandern?

Ja, kann sein. Es gibt eine lange Liste mit Dingen die wir schon mal wollten. Die könnte sich jeden Tag neu füllen und Dinge verschwinden lassen, die würden verblassen wie bei Harry Potter und sich durch neue ersetzen. Wir wollten schon ganz viel, und zwar ganz unbedingt, der Gedanke daran war so schön! Und dann, einen tag später, war aber auch ein anderer Gedanke ganz schön, nein, sogar schöner. Und so trudeln die Ideen hier ein und aus, manche leiben, manche verschwinden wieder. Manche verändern sich, manche passieren – ZUM GLÜCK! – einfach, wie Little T, mit dem wir vielleicht nicht gerechnet haben, der aber eine der schönsten Ideen, das beste Projekt, die wundervollste Umsetzung eines Traums war.

Und jetzt also „Amy“. Ein Transporter, leer und kalt, der über nichts verfügt (sage ich) und natürlich schon über sehr viel (sagt Paul). Und was ist jetzt mit dem ferienhaus Grundsctück? Mit dem Garten, den Selbstversorger Fantasien?

Wir bauen uns unser eigenes Tiny House. Nur eben auf Rädern. Denn das ist ja die nächste große Frage: Warum kauft ihr denn ncht einfach einen Bus? Oder ein Wohnmobil, wie viel Platz und Komfort ihr dann hättet? Und wie viel weniger Arbeit!

Im letzten Jahr haben wir ja eine ganz neue Erfahrung gemacht, Corona-bedingt. Wir wollten so gerne raus, aber der „Flotte Bert“ war verkauft, ob Ferienhäuser öffnen würden wussten wir nicht. Und dann kam sie, die großartige Idee, die neue Freiheit und soooo viel Platz! Wir kauften uns einen Wohnwagen. Um lange abzuwägen ist das Leben zu kurz, wer es nicht ausprobiert, wird nie wissen, ob es zu einem pass oder nicht. Zu uns, das merkten wir direkt, passte es nicht. Wir saßen bei Regen in Dänemark und staunten über Platz. Alle konnten am Tisch sitzen und malen, es gab genügend Platz zum kochen, eine heiße Dusche die man auch mit dickem Schwangerschaftsbauch bequem nutzen konnte. Die Schränke blieben zum Großteil leer – was soll man bloß alles hineinpacken um den ganzen Stauraum zu nutzen? Uns fiel nichts ein.

Nichts war verkehrt am Wohnwagen – aber auch nichts richtig. Starr und groß war er wie ein fahrendes Ferienhaus- eines, dass wir sicher so nie eingerichtet hätten. Abends grinste Paul und sagte, es würde sich anfühlen wie im Schlafwagen der Deutschen Bahn. Die Leuchtleiste blieb an, damit die Kinder nicht durchs Dunkel tapsten und schlummerte uns in den DB Schlaf.

Wir überlegten, ob wir nicht auch mal ganz anders reisen könnten, suchten Ferienhäuser in der Provence, in Italien, Dänemark und der Schweiz. Aber das Gefühl anzukommen hinterließ einen faden Nachgeschmack. Was, wenn wir unterwegs beschließen würden, woanders ankommen zu wollen? Was, wenn wir lieber mal falsch Abbiegen wollten. Wenn uns ein Ort gefiel, an dem wir bleiben wollten? Was, wenn wir nicht in eins durchfahren könnten in die Provence. Wo schlafen wir dann? Wir mussten anfangen zu planen. Alles zu organisieren. Das machte mich müde. Reisen ist nicht ankommen und ankommen ist nicht reisen. Ankommen ist Urlaub. Können wir das?

Wir waren ja auch mal in Kanada – da wollten wir auch ankommen, die Familie treffen, in dem Haus am See leben. Fast hätten wir das so gebucht, aber dann kam uns die Idee, man könne ja auch über New York fliegen, ein bißchen die Ostküste sehen, einen Bogen über die Niagara Fälle machen, im Kreis zurück fahren. Selbst da konnten wir nicht ankommen. Weil es rechts und links so viel zu entdecken gibt.

Das schafft man nicht, sagen viele. Dauert ein Jahr so ein Umbau. Kostet viel Geld. Darüber denkt ihr zu wenig nach.

Kann sein. Denn würden wir zu viel darüber nachdenken würden wir vor allem eins nicht tun: Anfangen. Es einfach wagen.

Wir wollen unser Tiny House auf Rädern, unser kleines Stück Freiheit. Wir wollen jeden Balken kennen, jeden Schritt, der aus Amy unsere Amy macht, unser Projekt. Und nächstes Jahr im März, da wird sie losfahren mit uns an Bord. Und uns irgendwo ausspucken, am Meer oder an einem Feldrand. Und wenn es regnet wird sie unser Dach sein, und wenn wir essen, dann an unserem Tisch, den wir gebaut haben. Wenn wir schlafen, in unseren Betten und wenn wir Schränke öffnen, wird es wieder unser Geschirr sein, das uns entgegen fällt. Wie früher im Flotten Bert. Und wir werden uns ärgern, aber noch viel mehr werden wir uns freuen, über jeden Morgen an dem vor der offenen Bustür die Sonne aufgeht.

One thought

  1. Eine so tolle Idee, die auch in meinem Kopf rumspukt. Bisher traue ich mich nicht. Umso mehr freue ich mich, bei eurem Abenteuer stille Beobachterin sein zu dürfen.

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