Und was kam dann…

Als wir beschlossen einen Bus zu kaufen….

…da waren Emil und Ida drei und fünf Jahre alt. Unser Bus trug den Namen „Flotter Bert“, war blau und klein und eng. Wir haben den „flotten Bert“ abgöttisch geliebt. Im „Flotten Bert“ fiel uns gerne Geschirr aus den zu kleinen Schränken, kippte hin und wieder mal die Kaffeemaschine um (und aus), fluchten wir jedes mal beim Umbau der Sitze, lebten wir mit Krümeln und sicherlich hin und wieder auch kleinen Tieren zusammen. Der „Flotte Bert“ war unser Zuhause fürs Wochenende, für Wochen, später auch für Monate. Er fuhr uns durch Deutschland, in die Schweiz, nach Südtirol, die Cinque Terre, an den Gardasee und durch die Alpen, nach Slowenien, Kroatien und Österreich. Er war verlässlich, wendig, unordentlich.

Aber Emil und Ida konnten es nicht lassen zu wachsen, stießen immer häufiger an die verstauten SUP Boards zu ihren Füßen, wenn sie schliefen und bei Regen war es kaum möglich aneinander vorbei zu kommen. Es kam der Tag, an dem wir uns von Bert verabschiedeten. Mit kleinen und großen Tränen in den Augen. Der erste Bus, heißt es, bleibt einem immer im Gedächtnis.

Man kann ja auch ganz anders reisen, haben wir uns gesagt. Schließlich sind wir in den all den Jahren ja auch mal ohne Bert unterwegs gewesen. Haben Verwandte in Kanada besucht, waren auf einer Familienfeier im Oman und auf bunten, fröhlichen Taufen in Griechenland. Aber so luxuriös und dekadent das klingen mag – unser Ziel war es, gerne minimal zu reisen, wenig zu fliegen, so dass unser CO2 Fußabdruck nicht ganz so heftige Spuren hinterlässt und das zu genießen, was uns im Laufe der Jahre glücklich gemacht hat: Draußen zu sein, mit der Sonne aufzustehen, Barfuß laufen und Lagerfeuer machen, nie stehen zu bleiben, viel zu entdecken und sich bis Abends Geschichten zu erzählen.

Kurz nachdem Bert uns verlassen hat, kam nicht nur die Frage nach dem „Was nun?“ auf, sondern es kündigte sich etwas ganz Neues an: Damals kaum größer als eine Erbse und jetzt ein kleiner Mensch, mit großen Augen und klitzekleinen Füßen, Little T, und noch mehr wurde uns bewusst: Little T soll auch sehen und spüren und erleben, was die anderen beiden hatten. Gemeinsame Zeit auf kleinstem Raum, Nähe, die Kunst, Gelassen zu bleiben und morgens die wilden Enten vor der Bus Tür mit Brotkrumen füttern.

Für uns war klar, wir brauchen einen neuen Bus: einen für fünf!
Wir begannen zu suchen. Erst online, dann live. Busse für fünf sind eine absolute Rarität. Es gibt ziemlich häufig die Version :Bus mit 5 Schlafplätzen, absurderweise aber auch nur die Version Bus mit 4 Anschnallgurten. Man darf also gerne mit fünf Leuten schlafen, wie die fünf Leute zum Zielort kommen ist einem dabei aber selbst überlassen, denn transportieren kann der jeweilige Bus leider immer nur vier.
Für alles gibt es Lösungen, zum Beispiel den Einbau eines Doppelsitzes vorne (Kosten zwischen 3000 und 6000 Euro), oder eben eines der wenigen Modelle, die tatsächlich alles haben (5 Sitzplätze und 5 Schlafplätze). Dabei haben wir uns aber in einem finanziellen Rahmen bewegt, der unseren Vorstellungen nicht entsprach.
2020 zog sich. Wir stellten fest, fürs Reisen mit festem Zielort sind wir nicht so recht geschaffen. Wo sollen wir hin und wie? Wo kann der Hund mit? 2021 das gleiche Spiel. Der tiefe Wunsch nach Freiheit, nach Unabhängigkeit, nach einem Start irgendwohin, ohne festes Ziel. Mit dreckigen Gummistiefeln und dem ersten Espresso morgens im Tau, dem Geruch nach Kohle und gebratenen Auberginen, die letzte gelesene Zeile im Schein der Petroleumlampe und dem morgendlichen Besuch einer kleinen Herde Schafe vor der Tür. Bäume, die zum klettern einladen, nackte Füße im Uferschlamm kleiner Seen und mit ganz viel Glück wieder einem Platz am Felsen in Kroatien, von dem aus man die Delphine sehen kann, wenn die Sonne sich dem Horizont entgegen neigt.
Wie also soll das gehen, wenn es keinen Bus für uns gibt?

„Wir brauchen einen eigenen Bus“, sagt Emil. „Den wir uns so bauen, wie er zu uns passt. Wir nennen sie Amy.“

Eine Bauanleitung für den Ausbau eines Transportes für zwei, drei oder vier Personen kann man im Internet finden. Je weniger Personen, desto schöner die Umsetzung. Aber was ist mit fünf Personen? Manche Anbieter haben uns abgeraten, fünf sind zu viele. Fünf Sitz- und fünf Schlafplätze? Kaum ein Transporter kann diese Ansprüche erfüllen. Und „Ihr braucht dafür echt viel Zeit, handwerkliches Geschick und Geduld.“

Paul ist Arzt in der Uni Klinik, arbeitet den ganzen Tag, manche Wochenenden kommen dazu. Ich bin mit den drei Kindern im Homeschooling, an meiner Seite Pius, der beste and anstregendste Hund der Welt. Können wir da schaffen? Können wir die wenigen Stunden am Wochenende, Abends und an den wenigen freien Tagen nutzen um dieses Projekt zu bewältigen?

Wird hier jemals eine „Amy“ einziehen?

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