A Summers Tale Festival, erst ihr dann wir

IMG_0580.jpgNein, moment mal, das klingt als wären die Kinder und ich nicht auch ein WIR. Denn die ersten tage war ich ja mit den Kindern alleine auf dem Festival. Bei Wind und Regen, bei Sonne, bei Tag und bei Nacht. Irgendwo zwischen Zelten, zwischen dem Geruch frisch gebratener Süßkartoffeln und Tale-Ale traf ich eine Freundin von früher. „Ach,“ sagt sie. „Alles gut, aber mir war nicht klar, wie Familienfreundlich dieses Festival ist. Man kommt sich ja schier verloren vor ohne Kind. Und den Komfortcampingplatz buche ich auch nie wieder. Da sind alle Kinder bereits ab sechs Uhr wach. Nächstes mal campe ich woanders. Irgendwo, wo es weniger kinderfreundlich ist.“

IMG_1063 Kopie.jpgLetztes Jahr war das noch anders, bemerkt jemand. Und ist das jetzt besser oder schlechter? Wenn man mich fragt natürlich besser. Noch besser als alles andere. Ein Festival für Familien? Besser geht nicht. Und der Kinderbereich war wirklich zauberhaft. Das denke ich zumindest noch am ersten Tag. Balancieren, Akrobaten, jonglieren, mitmacht Zirkus. Ein Bauwagen voller Bücher. Ein Zelt voller Lego. Kinderküchen, Verkleidungskisten, Spiele. Kindertanz auf der Sommerwiese. Festival Armbänder selber basteln. Schminken nicht zu vergessen. Die ersten Stunden ist das wirklich schön. Nach einer geschlagenen Stunde Federballspiel mit Emil (ohne einen einzigen Ballwechsel zu Stande zu bringen) sehne ich mich ein bisschen nach Abwechslung. Es wird Mittag. Es wird 18 Uhr. Ich bewege mich aus dem Kinderbereich nur heraus um Crepes zu besorgen. Gut, ein kurzer Abstecher ins Festival Atelier, der zielsichere Gang zur Beginner Grafik, dann wieder in den Kinderbereich.

Es gibt nur zwei Dinge, die ich Festivalbesuchern mit Kindern mit auf den Weg geben will:

A) Sagt Euren Kindern direkt, nicht fünf oder zehn oder zwei Minuten später, sondern DIREKT dass sie ihr Festivalarmband NICHT enger ziehen sollen! Das Armband besitzt die Qualitäten eines Kabelbinders und ich habe andauernd Eltern auf dem Festival sagen hören „Oh, du solltest doch da auch nicht dran ziehen!“ und Kinder „Mein Armband ist zu eng!“

B) Fahrt zusammen mit Freunden die auch Kinder haben! Es ist Tausend Mal schöner zusammen, ich weiß das, weil ich ständig Familien zusammen gesehen habe. Kinder, die zusammen gespielt, getobt und getanzt haben und auch Eltern, die sich abgewechselt haben mit der Aufsicht. Jeder konnte auch tagsüber mal zu einer Lesung schlendern, zu einem Konzert oder in Ruhe essen. Mir hat es gefehlt. Ich habe mich unter 12 000 Menschen hin und wieder einsam gefühlt

Nach drei Tagen Festival hab ich die Kinder zu Oma und Opa gebracht und bin zurück nach Hamburg gefahren. Da wollte ich eigentlich bleiben aber es ging nicht. Etwas so Schönes darf man nicht einfach so verstreichen lassen. Paul und ich haben den Hund geholt und sie wieder los gefahren. Jetzt nur wir, als Paar.

Den Kinderbereich hab ich gemieden und alles noch mal ganz anders genossen. Im Gras liegen und der Lesung von Stevan Paul über seinen Einkaufsfauxpas im Supermarkt lauschen, beim Electric Swing Circus tanzen (Noch ein letzter kleiner Tipp: Lasst Eure Kinder NICHT aus den Augen wenn sie Kopfhörer als Lärmschutz tragen. Die hören einen dann nicht mehr. Was fast ein bisschen witzig ist, wenn es nicht die eigenen sind.)

Wenn es auf einmal nicht mehr um die Interessen anderer geht fühlt man sich kurz wieder wie zwanzig. Unglaublich verliebt, so unbeschwert verantwortungslos. Man isst, wenn man mag, man schläft auf der Wiese ein wenn einem danach ist, man tanzt ohne Rücksicht darauf jemanden in der Menge zu verlieren.

Alles in allem aber: Ein Festival als ganze Familie wäre perfekt gewesen. Und dann noch mit Freunden. Nächstes Jahr machen wir das. Ganz bestimmt!

Infos zum Festival

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Das Festival findet mitten im Grünen in der Lüneburger Heide statt, das bedeutet auch Rücksicht auf die Natur zu nehmen und das hat die Festivalorganisation hervorragend und kreativ umgesetzt.

An und Abreise

Wer nicht wie wir mit dem Campingbus anreist kann ganz bequem und kostenfrei mit der Bahn anreisen.Ein Busshuttle holt die Gäste ab und bringt sie zum Festival Gelände. Außerdem gibt es eine Fahrradgarderobe. Hier hat jeder die Möglichkeit sein Fahrrad abzugeben und sicher verwahrt zu wissen.

Kulinarisches

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Nach vieler Festival Erfahrung waren wir begeistert vom Essen. Hochwertige Produkte, zum Großteil aus regionalem Anbau. Ein gutes Angebot an veganen Gerichten, Fleisch in Bioqualität und an jedem Stand die Möglichkeit eine Kinderportion zu ordern. Die Kinder haben mehr probiert als ich ihnen zugetraut hätte und waren von allem begeistert. Nach vier Tagen Festival kein Gefühl von ungesunder Ernährung oder dem Bedürfnis endlich mal etwas Frisches zu bekommen.

Wer selber kocht – was wir im Bus auch gemacht haben – kann im übrigen alle Lebensmittel die nicht verzehrt wurden am Stand für Foodsharing abgeben. Jeder kann hier abgeben was nicht mehr benötigt wird, aber auch sich nehmen, was er gerade braucht.

Goldeimer Komposttoiletten und Viva con Agua

Ein Hoch auf die Jungs von Goldeimer! Mit ihrem Komposttoiletten (die im übrigen beliebter und auch viel sauberer und hygienischer waren als die anderen) haben sie eine großartige Idee umgesetzt und machen aus den ganzen Festival Exkrementen am Ende Humus. Als Social Business helfen sie 2,4 Milliarden Menschen, die bisher keinen Zugang zu adäquater Sanitärversorgung haben, in dem der Großteil der Gewinne in die Trinkwasser und Sanitärprojekte von Viva con Agua fließen.

11 Spielorte

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Egal wo man sich gerade befindet, es kann nur richtig sein. Anfangs versuchen wir noch uns durch den Festival Plan zu suchen, später lassen wir uns treiben. Ab 11 Uhr morgens gibt es Programm, von Musik über Lesungen, Yoga, Tanz Workshops, Kunstworkshops, Kanu fahren, etc. Man schlendert herum und kommt immer irgendwo an, ob man es geplant hat oder nicht. Dazwischen gutes Essen, freundliche Menschen und sehr viele lachende, tanzende und tobende Kinder.

Sollte jemand planen im nächsten Jahr zu A Summers Tale zu fahren, kontaktiert mich bitte! Wir würden uns so freuen dieses Festival mit ganz vielen anderen Menschen gemeinsam zu genießen, alle Eindrücke zu teilen und alle Kinder zusammen zu führen!

 

 

 

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