Documenta mit Kindern bedeutet auch, sehr lange durch einen Springbrunnen zu rennen

IMG_6786Wie ist das eigentlich sich mit wildfremden Menschen zu treffen? Im Grunde könnte man sagen, man trifft jemanden, den man sonst wahrscheinlich niemals getroffen hätte. Aber das stimmt ja nicht. Man trifft ja ständig Menschen, mit denen man nicht gerechnet hat, mit denen man nicht verabredet war. Jeden zweiten Tag kommt man mit anderen Müttern auf dem Spielplatz ins Gespräch, im Schwimmbad, am Strand, im Supermarkt. Im Niestetal Schwimmbad haben wir eine von 8 Feuerwehrfrauen Kassels kennengelernt. Die sich in einer 200 Personen Männerwelt zurecht findet. Nur, weil sie mit ihrer Tochter auf der Decke hinter uns lag.

Ja, man trifft immer wieder Menschen, aber diesmal war es ein ganz bewußtes Treffen. Carola hatte mir geschrieben, sie würde mir gerne Kassel zeigen und ich könne sogar bei ihr den flotten Bert unterstellen. Und sie habe – ganz nebenbei – ein entzückendes Zwillingspärchen mit den bezaubernden Namen Emil und Ida.

Das Schöne ist, daß immer nur eine Person die andere nicht kennt. Denn die, die meinen Blog lesen, kennen mich ja irgendwie. Zumindest einen Teil von mir.

Bei Carola ist es gleich, als würde man eine Freundin besuchen, die man lange nicht gesehen hat. Meine Emil und Ida fallen etwas mit der Tür ins Haus und müssen jedes Spielzeug einmal ausprobieren, die kleineren Emil und Ida bleiben erst mal stehen und sehen zu wie ihr Eigentum eifrig genutzt wird.

Ich bleibe nur eine Nacht in Kassel, bei meinen ein Nacht Aufenthalten hat sich herausgestellt, daß ich es kaum schaffe mir wirklich etwas anzusehen, aber in Kassel scheint unsere Planung perfekt. Direkt am ersten Abend gibt es ein Unwetter. Hagelkörner so groß wie Tischtennisbälle prasseln herab während wir beim Abendessen sitzen. Ich hätte gedacht unsere Irrtour durch den Habichtswald hätte die Kinder ermüdet, aber ich bekomme sie nie vor 22 Uhr ins Bett. Wir sitzen gemeinsam im Bus auf meinem Bett, sehen Blitzen zu und zählen die Zeit bis der Donner kommt. Sie sind schrecklich aufgeregt.

Am nächsten Tag erkunden wir ein Schloß direkt in Bad Emstal, treffen auf eine Henne mit vielen flauschigen Küken und brechen dann nach Kassel City auf. Obwohl das Wetter sonnig und gut ist, ist die Documenta nicht so voll wie befürchtet. Die Kinder rennen innerhalb des Pantheon of books herum, Ida macht sogar einen Purzelbaum. Ich bin gespannt ob jemand annahm, auch diese Inszenierung sei Teil der Documenta.

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IMG_6818In einem Springbrunnen in der Innenstadt werden sie so naß, daß Ida nur noch in Unterhose herumhüpft. Ich habe schon lange keine Lust mehr die Kinder in der Hinsicht zu bremsen. Nur wenn der Wind kommt klagen sie ein wenig über ihre klitschnassen Shirts.

Emil kauft ein Magazin über die Documenta und will es Papa schenken. Aber am Abend blättert er selbst lange darin herum. „Ich glaube, alles wo man erst mal hinguckt ist Kunst. Zum Beispiel der brennende Turm. Es ist Kunst, weil alle erst mal hingucken.“

Ich glaube, niemand hat „Kunst“ jemals so gut definiert.

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Gegen 17 Uhr brechen wir auf Richtung Fulda. Wir sind zum Glück alle so gut von 5 Stunden herum laufen durch Kassel daß wir froh sind mal kurz zu sitzen. Fulda steht auf dem Plan, eigentlich würde ich es aber gerne bis Würzburg schaffen. Weil es mich nervt, nirgendwo mal länger als eine Nacht zu schlafen. Immer wenn die Kinder gerade angekommen sind, geht es weiter. Ein riesiger Stau macht uns einen Strich durch die Rechnung. Der Stellplatz auf dem Bauerhof, den ich rausgesucht hatte, ist nicht mehr zu erreichen. Und jetzt? Erst mal abfahren. „Wir fahren einfach runter,“ sage ich, als die Kinder das Staueende entdecken. „Weil es egal ist. Es ist völlig egal wo wir sind. Wir machen das, worauf wir Lust haben.“

IMG_6856Wir finden einen Stellplatz zwischen Fulda und Würzburg. Leider ist es auf Stellplätzen so, dass man Strom nur mit einem Adapter bekommt. Der ist aber in Hamburg und reist uns sozusagen mit Paul hinterher. Langsam könnte ich aber mal wieder Strom gebrauchen. Der Kühlschrank kämpft gegen die Hitze. Und wenn das Licht nicht mehr geht? Kaffeemaschine etc. sowieso nicht. Aber: Ich bin seit 4 Tagen ohne externen Strom und doch überrascht, wie wacker wir uns schlagen. Das Gefühl, dahingehend autark zu sein gefällt mir. Wir sind gegen 20 Uhr noch die ersten auf dem öden Schotterplatz. Hinter uns hohes gelbes Gras, ein schiefes Eisentor zu einer stillgelegten Fabrik, vor uns Bahnschienen, die längst zugewachsen sind. Also schön ist es nicht, aber wir machen das beste daraus. Ich mache, zur größten Begeisterung der Kinder, Hotdogs und wir essen draußen. Danach spielen wir bis zur Dunkelheit „Mensch ärgere dich nicht“. Ich ärgere mich übrigens immer tierisch, weil Ida immer so furchtbar lange braucht um zu würfeln, und sich in der Zwischenzeit alle anderen Beteiligten grenzenlos langweilen.

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