Die Elbe – eine Liebeserklärung

Es gibt Menschen die leben in den Bergen. Und es gibt Menschen die leben am Meer. Es gibt Menschen die lieben den Rhein, die Donau oder die Spree. Und es gibt die Elbe.

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Und natürlich ist es nirgendwo so schön wie hier.

Das stimmt nicht? Vielleicht.

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Und trotzdem fühlt es sich für uns so. Denn da fließt sie, jeden Tag, an unserer Stadt vorbei. Der große Strom, dunkles Wasser, kreischende Möwen. Ach Elbe, du riechst schon ein bisschen nach Freiheit und Meer, aber du bist so viel mehr.

Du ziehst dich durch das ganze Land. Du rauscht und braust manchmal, du bist still und sanft, du bist dunkel und klar. Ach Elbe, du bist einfach wunderbar.

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Am Hafen ziehen die großen Schiffe vorbei. Die HVV Fähre zieht zuverlässig ihre Kreise. Landungsbrücken, Fischmarkt, Bubendey Ufer, Teufelsbrück, Finkenwerder, Cranz – egal wohin unser Gefühl uns trägt. Die Möwen fangen die hochgeworfenen Brotkrumen aus der Luft. Oben weht einem der Wind durchs Haar unten gibt es Bier und Eis.

Der Elbstrand säumt das Ufer. Der Sand zwischen den nackten Zehen ist warm und fein. Große Steine liegen bei Ebbe frei. Die Kinder stapeln sie zu Burgen. Graben mit Schaufeln Siele in den nassen Sand.

Die Flut nähert sich dem umgekippten Baum. Nirgendwo lässt es sich besser klettern, Beine baumelnd auf Ästen sitzen, während die Flut sich langsam den Strand hochkämpft bis unter einem nur noch Wasser zu sehen ist.

Wenn die Stinte die Elbe hochziehen folgen ihnen die Schweinswale. Als ich sie zum ersten Mal habe aus dem Wasser springen sehen hab ich mich wie einer fremden Welt gefühlt. Kleine, dunkle Delfine.

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Die Elbe ist nicht das Meer.

Sie ist mehr als das.

Sie ist so vielfältig, so verwunschen, so einsam.

Ich ziehe mit meiner ältesten Freundin und acht Kindern zum Strand herunter. Weiden säumen das Ufer, unter ihnen ein zartes Spiel aus Licht und Schatten. Stille. Hier ist niemand. Zweihundertmeter Strand liegen vor uns. Die Kinder rennen, der Hund hinterher. Sie schwimmen das Ufer entlang. Kreischen, lachen. Im Schatten der Bäume ziehen sich Bäche in einen Dschungel aus hellem Grün. Ida sitzt im flachen Wasser und pflückt Gräser vom Rand um daraus in ihrem Eimer eine Suppe zu kochen.

Die erste Stunde vergeht, die zweit, die dritte. Wir essen Melone und sehen den Kindern zu. Wenn die Schlepper kommen, rufen wir sie zurück. Die Wellen schlagen höher als erwartet ans Land. Die Kinder kreischen, der Hund versucht nach jeder Welle zu schnappen.

Sie sitzen auf vom Wind niedergedrückten Bäumen und kleckern mit Melone. Die nackten Füße baumeln in der Luft.

Sie suchen Feuerholz im Wald, der Hund flogt ihnen auf Schritt und Tritt. Die Flut kommt sanft, aber sie kommt.

Aus zweihundert Metern Strand werden 100, dann 50, dann 20. Wir tragen den Kinderwagen und unsere Picknickkörbe weiter in den Wald hinein. Nach weiteren Stunden über kleine Bäche auf die andere Seite. Hier zieht sich der Strand bis in den Wald hinein. Zwischen Bäumen hat eine Familie ein kleines Zelt aufgeschlagen und grillt. Nackte Kinder laufen herum.

Hier ist es einsam.

Und still.

Und frei.

Hier gibt es keine Strandkörbe.

Hier gibt es keine Imbissbuden, keine Cocktails am Strand, keine Parkplätze.

Keinen Spielplatz, keine Verbotsschilder, keine Menschen.

Hier gibt es nur uns.

Uns und die Elbe, deren Wasser jetzt bis zum hohen Gras reicht in dem wir sitzen.

Die Kinder schwimmen jetzt dort, wo vor ein paar Stunden noch der Strand war. Einige Bäume stehen bereits mit dem Stamm im Wasser. Die Kinder klettern darauf, lassen sich ins Wasser fallen.

Das Licht wird warm, die Möwen kreischen. Unser Picknickkorb leert sich.

Die Elbe zieht unermüdlich weiter an uns vorbei. Nimmt große und kleine Schiffe mit sich. Immer noch springen und kreischen die Kinder in den Wellen. Hinter uns auf dem Deich grasen Schafe.

Nur mit ihren Badehosen und den Keschern bewaffnet ziehen die Kinder durchs hohe Gras. Den Kleinen reicht es fast bis zur Schulter. Im dunklen grün sieht man nur den eifrig wedelnden Schwanz des Hundes hin und wieder aufblitzen. In einem Teich hinter dem Deich keschern sie Kaulquappen, betrachten sie im Eimer, lassen sie bis auf zwei wieder frei. Lasse und Bella. In einem Einwegglas begleiten sie uns bis nach Hause und ziehen in unseren winzigen Gartenteich.

Am nächsten Tag frage ich die Kinder was wir machen wollen.

An die Elbe, sagen sie.

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