Ferienhof Wichtelweide/ Fehmarn

IMG_3167 Kopie.jpgAls ich von Fehmarn zurück komme, sagt Paul: „Wenn du ein Satzzeichen wärest, was wärest du dann?“ „Ein Semikolon,“ sage ich spontan. „Ich weiß nicht genau, wofür man mich einsetzt, ich bin nicht so alltäglich und ich habe diesen lustigen Punkt auf mir herum hüpfen.“ Paul findet das passend. „Und was wäre Hilke für ein Satzzeichen?“

„Hilke,“ sage ich. „Wäre ein Herz.“

Gut, ein Herz ist kein Satzzeichen sondern ein Symbol, aber das beste und passendste Symbol was man für Hilke nennen kann. Wer Hilke ist? Hilke und ihr Mann betreiben mit Hilfe ihrer Eltern den Ferienhof Wichtelweide auf Fehmarn. Der liegt in einem kleinen Ort namens Gammendorf und hat sogar seit ein paar Jahren Straßennamen, mein Navi ist aber anscheinend zu alt, denn die Strassennamen kennt es (noch) nicht. Das macht Gammendorf eigentlich noch sympathischer. Drei Kilometer vom Strand entfernt liegt dieses Ferienidyll und präsentiert sich uns auch noch im strahlenden Sonnenschein. Nicht umsonst heißt es also Fehmarn- die Sonneninsel.

 

Das Licht fällt warm auf die große rote Backsteinscheune. Der Kies knirscht unter den Reifen vom flotten Bert und drei Kinder springen heraus. Wir sind nämlich diesmal nicht alleine – meine Schwägerin und ihr Sohn Kili sind mit. Für Kili wahrscheinlich das Abenteuer seines Lebens, würde er doch alles dafür hergeben Zeit mit Emil zu verbringen. (Abends sogar eines seiner Lieblingsautos, obwohl die eigentlich ALLE mit im Bett schlafen müssen).

 

Hilke hat uns bereits erwartet. Ich merke sofort, oh, ich wäre auch gerne so, so voller Ruhe und Geduld, so voller Liebe für alles und trotzdem so unglaublich entspannt. Ich frage mich wirklich, wie sie dieses wahnsinnig große Grundstück so pflegen kann, all diese Blumenpracht und die vielen kleinen Nischen zum Sitzen. Wir tragen erst mal unser Gepäck in die Ferienwohnung „Minze“. Alles ist hell und großräumig. Die Kinder rennen hin und her. Von den großen Fenstern aus kann man auf den Hof hinabsehen. Schon am zweiten Tag stehe ich beim kochen hin und wieder dort und sehe Emil zu, der sich bereits ganz eigenständig auf dem Hof bewegt und neue Freunde gefunden hat.

IMG_3179 Kopie.jpgIch bin ja jemand, der ständig weiter muss. Der nicht lange an einem Ort bleiben kann. Der immer das Gefühl hat noch mehr sehen zu müssen. Aber hier, hier ist es wirklich so schön, dass man bleiben könnte. Sich einfach drauf einlassen nur dazusitzen, den Kindern zuzusehen, sich in dem kleinen Café einen Kaffee zu machen, Löwenzahn für die Kaninchen pflücken, im Gras liegen, lesen, den angenehmen Geruch von Pferden einatmen.

 

Das Wetter meint es gut mit uns, obwohl wir schnell feststellen dass es auch für Regentage genügend Beschäftigungsmöglichkeiten gibt. Ida zieht sich ins Café zurück und bringt sehr lange Puppen ins Bett, Emil versucht zu kickern geht dann doch lieber in die Scheune um ein bisschen im Stroh zu toben. Kili kann nicht ohne die große Sandkiste. Und natürlich geht nichts über das Trampolin.

Egal wo die Kinder spielen, es findet sich immer eine Gelegenheit sich hinzusetzen und ihnen zuzusehen. Liegestühle, Strandkörbe, kleine verwunschene Ecken. Und überall Blumen. Ankommen fällt einem hier wirklich nicht schwer.

 

Morgens treffen die Kinder sich zum „Tiere füttern“. Ida ist schlimm aufgeregt. Sie möchte unbedingt die Schweine füttern. Zwei sind es, glücklich herumwälzende freundliche Hängebauchschweine. Ida ist so stolz das sie den Eimer tragen darf. Nicht einen Augenblick lässt sie ihn aus den Augen. Emil füttert die Katze. Und sucht noch Löwenzahn für die Kaninchen. Hilke verteilt die Eimer an die Kinder. Kaninchen, Ziegen, Hühner, Katze, Ponys, Schweine. Alle wollen versorgt werden. Die kleine Schar von Kindern folgt ihr fröhlich. Als Ida mitbekommt, dass eine der Ziegen „Elsa“ heißt steht schnell fest: Morgen will sie unbedingt die Ziegen füttern!

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Wenn es nach den Kindern ginge würden wir den ganzen Tag auf dem Hof bleiben, ein bisschen ist uns aber doch nach Strand. Wir fahren nach Burg um Kescher zu besorgen (wir haben einen sehr hohen Kescher Verschleiß) und fahren zum Strand „Grüner Brink“ im Norden. Wir sind tatsächlich ganz allein hier. Die Kinder finden eine kleine „Bucht“ in der sich etwas Wasser gesammelt hat und fischen mit ihren Keschern Miesmuscheln heraus. Trotz den wenigen 10 Grad ist es in der Sonne wirklich schön. Von hier aus sieht man den Fährverkehr von Puttgarten starten. Große Schiffe ziehen lautlos aufs Meer hinaus. Erst als wir aufbrechen bemerken wir, dass wir die ganze Zeit neben einer verwesenden Möwe gesessen haben.

 

Die Kinder wollen unbedingt zum „Bauernhof erleben“ Programm zurück sein. Und es lohnt sich. Hilke hat bereits die Gartengeräte in den Gemüsegarten getragen. Heute steht Kartoffeln pflanzen auf dem Programm. Die Kinder scharen sich um sie. Emil kann es kaum abwarten. Alles was mit helfen und „arbeiten“ zu tun hat macht ihn glücklich. Ich frage mich bis heute wie mein Vater sonst seine ganzen Holztürme stapeln würde, wenn Emil ihm nicht unermüdlich helfen würde.

IMG_3551 Kopie.jpgSo ist es auch mit den Kartoffeln. Emil harkt und pflügt und zieht eifrig furchen um seine Saatkartoffeln gut zu platzieren, Ida probiert sich derweil mutig durch den Kräutergarten, Kili nutzt die Matschküche. Wir sitzen im Liegestuhl unter den blühenden Obstbäumen und genießen. Ein bisschen fehlt mir Paul, er hätte es auch genossen mal Nichts zu tun.

 

„Können wir auch mal so einen großen Garten haben wo wir Kartoffeln pflanzen?“ fragt Emil am Ende. Ich wünschte es wäre so.

Hilke hat bereits eine große Picknickdecke ausgebreitet und verteilt heiße gekochte Kartoffeln mit Joghurt Dip an die Kinder. Emil hilft Ida die heiße Schale abzupulen. Hier ist wirklich alles richtig, nur ins Bett gehen fällt schwer.

IMG_3306 KopieIMG_3324 KopieIMG_3327 KopieNachdem Ida am nächsten morgen tatsächlich Ziege Elsa füttern durfte dürfen beide sogar noch mit Pony Bongo einmal durchs Dorf reiten. Das Wetter ist leider etwas nieselig geworden aber ich merke, dass wir gut noch hätten bleiben können. Gerade jetzt, wo sie sich allein zu Recht finden, allein zwischen Spielscheunen, Café und Sandkasten hin und her laufen, sich Fahrzeuge eigenständig holen und zurück bringen. Jetzt, wo sie die Kaninchen gerade lieb gewonnen haben und mit Hingabe nach frischem Löwenzahn suchen. Ich könnte auch noch bleiben. Wahrscheinlich könnte man jeden Tag ein bisschen mehr entspannen. Noch mehr zusehen, reden, lesen, einfach nur da sein. Einfach mal aufhören immer nur ans morgen zu denken, daran zu denken, wohin es uns als nächstes verschlägt. Sondern einfach nur ankommen.

Das kann man nirgendwo so schön wie hier!

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