Tag 14-16: Backen im Harz

img_0340Die Kinder waren über eine Woche krank. Und ich war mir so sicher, dass wir es diesen Winter schaffen würden. Gut, nun ist es so. Am Ende waren nur noch 8 Kinder im Kindergarten. Der Rest lag mit Husten, Fieber und wahlweise Streptokokken Zuhause im Bett.Wieder alle Termine absagen, alles neu koordinieren. Und die Frage: Sollen wir wirklich noch mal losfahren im Winter? Lohnt es sich denn? Die Kälte, die Nässe, die Enge? Kein warmes Wasser, kein fließendes Wasser, kein Platz um sich länger drinnen aufzuhalten? Wem will ich denn etwas beweisen mit meinen Reisen im Winter? Mir selbst?

Ich frage die Kinder und sie schreien einstimmig das sie auf jeden Fall los fahren wollen. Sie hinterfragen einfach viel weniger. Sommer, Winter, Schnee, Hitze oder Eis? Ist ihnen egal. Die Welt sieht so aus, wie sie gerade aussieht. Und büßt nichts an Abenteuer ein.Also fahren wir in den Harz.

Es regnet. Und stürmt.

In einem kleinen Dorf, irgendwo im Harz, steht am Ende einer Straße ein Fachwerkhaus. Mit einem Garten voller Rosen und riesigen Beeten mit Lavendel. Jetzt, bei Sturm und Regen an einem kalten Februar Tag sieht man nur graues Gras und matschige Erde.

Hinter einem der Sprossenfenster brennt Licht. Oft wenn wir hier sind, steht dort jemand, oder mehrere Menschen die wir lieben, die durchs Fenster winken und strahlen. Die sich freuen, dass wir da sind.

Das Fenster führt in die Küche. Eine große, warme Küche mit Holzkisten voller frischem Obst, kleinen Schubladen voller Mehlsorten und Körben mit Gemüse. Und mitten in dieser Küche steht eine schlanke, blonde Frau, die mit vollem Namen Anna Franziska heißt, und die hier ungelogen etwas Großartiges vollbringt. Sie ist die tragende Kraft des Buches geworden an dem wir arbeiten, und das sich mit gesunden Snacks für Kinder befasst.

Wir verbringen das Wochenende hauptsächlich in der Küche. Nur die wenigen Nicht-Regen Momente nutzen wir um die Kinder nach draußen zu locken. Obwohl, die Kinder sind es am wenigsten die gelockt werden müssen. Eher wir selber, die mit zusammengekniffenen Augen in den Regen schielen, eher unwirsch Regenjacken und Schals anziehen und in den Wind hinaus treten.

IMG_1030 Kopie.jpgDie Kinder rennen die Abhänge im Wald hoch und runter, sammeln Äste und Stöcke, rutschen quietschend auf dem nassen Laub aus. Der Hund immer vor, hinter, manchmal über ihnen.

Ich glaube, es liegt in der Natur des Menschen und noch mehr in der Natur des Kindes draußen zu sein. Sie murren nie. Sie trotzen Wind und Regen, verstecken sich in Büschen und schützen sich unter großen Tannen. Wir sind es, die sie irgendwann dazu erziehen, drinnen zu bleiben. Die sich hin und wieder nach Wärme und Trockenheit sehnen.

Die Kinder essen draußen. Das viele rennen und klettern, die frische Luft, das Alles macht sie hungrig. Emil und Ida sind zutiefst enttäuscht, dass ich die Campingmöbel noch nicht zurück in den Bus geräumt hab. „Wieso essen wir nicht draußen?“ Ich sehe in den grauen Himmel hoch, wickele meinen Schal enger, ziehe die Mütze noch tiefer in die Stirn. Warum wir nicht draußen essen?

„Wir können uns doch einfach warm anziehen,“ sagt Emil kopfschüttelnd. Ja, Erwachsene machen sich das Leben wirklich immer zu kompliziert. Warm anziehen und fertig! Das ist doch nicht so schwer?

 

An Proviant mangelt es zumindest nicht. Was bis in die Nacht hinein in der Küche zubereitet wird, kann tagsüber verzehrt werden. Und das mit Wonne.

Der Hund genießt sein Glück in der Natur, kommt aber drinnen gar nicht zur Ruhe. Im Grunde kann man sagen, das er alles zerstört, was er zwischen die Zähne bekommt. Und meine Nerven noch dazu. Ich muss ständig hinter ihm her rennen. Er buddelt Löcher in den Garten, knabbert die Kinderwinterstiefel an, meine Tasche, die Kissen im Bus. Er klaut den Kindern das Essen direkt aus der Hand und wenn man eine Sekunde nicht hinsieht dann auch gerne vom Tisch. Willkommen in der Pubertät?

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