Tag 4: Nikolausfahrt

 

Wie viel haben wir eigentlich durch unseren letzten Kurztrip gelernt? Mir scheint, wenig, denn ich trage schon wieder so vieles in den Bus, vor allem Dreck. Ida schreit, weil ich mich diesmal weigere ihren Holzpuppenwagen mitzunehmen. Oh, wie mich das Dinge geärgert hat, als wir im Kliemannsland ständig darüber steigen mussten.

Diesmal kommt Paul mit, aber ein Erwachsener mehr scheint beim packen auch keine Hilfe zu sein. Keiner weiß, was der andere schon eingepackt hat. Zu zweit vergisst man definitiv mehr als alleine. Eigentlich wollten wir auch noch fix einen Weihnachtsbaum kaufen – wenn man eh schon mal auf dem Land ist, aber beim Blick in den Bus und beim Blick auf die Uhr entscheiden wir: No way! A) wo soll der hin, der riesige Baum und b) entweder Baum oder Nikolaus, beides schaffen wir nicht.

img_8581-kopieDie Kinder sind aufgeregt. Heute fahren wir nach Deinste, das ist ein kleiner Ort in der Nähe von Stade und von dort fährt eine Moorbahn zum echten Nikolaus. Zum Glück stellt niemand die Frage, warum denn ausgerechnet heute? Nikolaus liegt ja nun auch schon ein paar Tage zurück und warum sitzt der arme Mann jetzt im Lokschuppen in Deinste? Aber Kinder hinterfragen nicht – manchmal glaube ich, sie tun es nicht, weil sie den Glauben nicht verlieren wollen. Von Hamburg braucht man knapp eine Stunde. Eine Fahrtzeit die die Kinder gerade noch hinkriegen, bevor das Geschrei nach Essen, Trinken, CDs und neuen Büchern beginnt. Ursprünglich hatten wir uns ja mal vorgemacht, dass man im Bus viel angenehmer reisen würde, als im Auto. Aber wie naiv wir waren. Denn tatsächlich ist es ja genau das gleiche Spiel – man sitzt angeschnallt auf einem Kindersitz.

Trotzdem ist die Stimmung schlecht als wir ankommen. Wir sind eine Stunde zu früh, der Hund kann nicht frei, weil überall Bahnschienen sind, Ida schreit die ganze Zeit. Sie war kurz im Auto eingeschlafen und schafft es überhaupt nicht wieder richtig wach zu werden. Sie missbilligt alles. Sie will nicht aussteigen aber auch nicht im Bus bleiben, sie will nichts essen, schreit aber wenn jemand anderes etwas isst. Sie will keine Mütze aufsetzen, sie will nicht das Pius an ihre Hand stupst, sie will drei Puppen auf einmal tragen, aber nach zehn Sekunden sollen wir sie alle tragen und sie schreit noch mehr. Erst als wir das schreiende kleine Wesen bis zum Bahnwärterhäuschen tragen und sie einen aus Holz gesägten Weihnachtsmann samt Rentierschlitten sieht, ist sie besänftigt.

Mein Bruder und seine Familie kommen dazu und Oma und Opa. Alle wollen teilhaben an der verzauberten Fahrt zum Nikolaus. Die Dampflok stösst weißen Rauch aus, in den Waggons wackeln die Petroleumlampen. „Auf nach Hogwarts,“ freut sich Paul. In der Dämmerung zieht ein bisschen Nebel über die kahlen Felder, die Lok fährt gerade mal zehn Minuten – mit Zwischenstopp, bei dem natürlich niemand aussteigt, aber der Schaffner fröhlich den Namen der Haltestelle in die Felder hineinruft. Die Kinder kichern und malen mit dem Finger kleine Muster an die beschlagene Scheibe, neben mir brennt Kohle in einem kleinen Ofen. Die Wärme tut gut.

Im Lokschuppen wird gesungen, Emil und Ida singen eifrig mit. Trotzdem nimmt Emil mich nachher kurz zur Seite: „Ich glaube das war gar nicht der echte Nikolas. Der hatte die gleiche Brille auf wie der Lokführer.“ Ich tue entsetzt, stimme ihm aber dann zu. Zurück rattert die kleine Dampflok durch die Dunkelheit. Für die Kinder eine kleine Zeitreise. Zum echten Nikolaus! Mit einer Dampflok. Das es am Ende dann eventuell doch gar nicht der echte war, spielt überhaupt keine Rolle.

Klicke hier um mehr zur Nikolausfahrt in Deinste zu erfahren.

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